Paul Gerhardt Diakonie
 

Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie/Phlebologie

Chefarzt: Prof. Dr. med. habil. Helmut Zühlke (Facharzt für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie/ Phlebologie)

 

Die Chirurgische Klinik mit den Spezialisierungen Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie/Phlebologie mit insgesamt 70 Betten umfasst drei Stationen. Zusätzlich werden die Kinder der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin chirurgisch mitbetreut. Jährlich werden ca. 2500 Operationen durchgeführt und etwa 3500 Patienten stationär behandelt.

 

In der Chirurgischen Klinik erfolgt die Behandlung in den folgenden drei chirurgischen Schwerpunkten:

 

Schwerpunkt Allgemeinchirurgie

Im Rahmen allgemein-chirurgischer Therapiekonzepte werden Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsen-Erkrankungen sowie Erkrankungen der Weichteile (Geschwülste, Entzündungen) und der Bauchwand (Leisten-,Narben- und Nabelbrüche) behandelt. Dabei stehen zur Qualitätssicherung moderne Techniken wie die Überwachung der Stimmbandnerven durch Neuromonitoring und endoskopische Techniken zur Versorgung von Leistenhernien zur Verfügung. Auch Erkrankungen des Enddarmes (Proktologie) wie Hämorrhoiden, Fissuren, Fisteln, Abszesse und Geschwülste werden versorgt. Ebenso gehören Eingriffe am Bewegungsapparat, z. B. Tennisellenbogen, Zehenveränderungen, Überbeine, Schleimbeutelentfernungen sowie Operationen sämtlicher – auch entzündlicher Weichteil- und Knochengeschwülste – zum Behandlungsspektrum der Allgemeinchirurgie. Besondere Beachtung findet die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms.

 

Kinder mit akuten Baucherkrankungen, z. B. Blinddarmentzündungen, Darmverschluss und eingeklemmten Brüchen, werden operativ versorgt. Dabei wird auf eine kindgerechte Narkose sowie auf eine kurze stationäre Behandlung in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin durch qualifizierte Kinderkrankenschwestern geachtet. Auch die Mitaufnahme von Eltern ist möglich. Im Rahmen der Mamma- und plastischen Chirurgie werden routinemäßig Behandlungen von Erkrankungen des Brustkorbes sowie von Geschwülsten der Brustdrüse in Kooperation mit der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und deren Nachbehandlung sowie plastische Operationen einschließlich Wiederaufbauplastiken (mit und ohne Prothesenimplantate) und Reduktionsplastiken der weiblichen Brust durchgeführt. Vor- und Nachsorge sowie ambulante Chemotherapien können über die Ermächtigungssprechstunde von OA Dr. M. Qadduri erfolgen.

 

Schwerpunkt Viszeralchirurgie

Die Schwerpunktbezeichnung Viszeralchirurgie wird durch die Spezialisierung des Chefarztes der Klinik abgedeckt, der im Rahmen von regelmäßigen theoretischen und praktischen Schulungen für einen aktuellen Kenntnisstand aller chirurgischen Mitarbeiter sorgt (Ausbildungskrankenhaus). Der Chefarzt besitzt eine Lehrbefugnis an der Medizinischen Fakultät der Charité Berlin und hält regelmäßig Vorlesungen. Die Viszeralchirurgie umfasst Therapien gutartiger und bösartiger Erkrankungen der Bauchorgane (Viscerum). So werden z. B. Magengeschwüre, Steine der Gallenblase und Gallenwege sowie Folgen (Zysten, Gangstenosen) chronischer Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) behandelt. Gallenblasen werden konventionell durch einen Bauchschnitt oder in mehr als 80 % laparoskopisch (minimal-invasive Chirurgie – MIC) entfernt. Weiterhin werden Erkrankungen der Speiseröhre behandelt. Zwerchfellbrüche können konventionell offen chirurgisch oder laparoskopisch versorgt werden. Zysten der Leber und Entzündungen des Dünn- und Dickdarmes sowie Veränderungender Milz werden ebenfalls im Rahmen der viszeralen Chirurgie behandelt. Bei entzündlichen Erkrankungen des Dickdarmes erfolgt in geeigneten Fällen die Entfernung des Colons laparoskopisch.

Neben den gutartigen Erkrankungen werden die bösartigen Geschwülste (Karzinome) aller Bauchorgane (Speiseröhre, Magen, Pankreas, Leber, Dünn- und Dickdarm) operativ versorgt, wobei die Tumorentfernung ebenso wie die medikamentöse Vor- und Nachbehandlung (Chemotherapie) in der Chirurgischen Klinik erfolgen kann. Tochtergeschwülste in der Leber (Metastasen) aller Tumorarten können entweder chirurgisch entfernt, durch Hitze (hochfrequenzinduzierte Tumorgewebszerstörung) oder durch systemische Chemotherapie sowie durch gezielte Katheterbehandlung (lokoregionäre Chemotherapie) bekämpft werden.

Im Rahmen der chirurgischen Onkologie werden auf die Individualität des Patienten abgestimmte Therapiekonzepte erarbeitet, die die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse einbeziehen. Die Chemotherapie kann stationär oder ambulant erfolgen. Zur ständigen Verbesserung der medizinischen Qualität werden die Patienten in überregionale Studien in engem Kontakt zu den Onkologen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg einbezogen. Außerdem wird wöchentlich eine interdisziplinäre Tumorkonferenz (Tumorboard) abgehalten, wo fachübergreifend einzelne komplizierte Patientenfälle besprochen und Therapiepläne festgelegt werden. Allen Patienten mit einer bösartigen Geschwulst steht eine Tumorsprechstunde (Ermächtigungssprechstunde) durch Zuweisung eines Chirurgen, Internisten oder Gynäkologen zur Verfügung. Die postoperative Betreuung aller operierten Patienten erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin und bei Notwendigkeit auf der nach modernsten Kriterien ausgestatteten Intensivstation. In Kooperation mit der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie werden schwersttraumatisierte Patienten mit Verletzungen des Kopfes, des Bauchraumes, der Gefäße und Knochen behandelt. Auch Brustkorb und Lungenverletzungen werden interdisziplinär in Kooperation mit der Intensivmedizin und der Klinik für Innere Medizin (speziell Pulmologie) versorgt.

Schwerpunkt Gefäßchirurgie/Phlebologie

Aufgrund des Anstiegs des Lebensalters der Menschen und der somit bedingten zahlenmäßigen Zunahme von Herz Kreislauf-Erkrankungen besitzen Erkrankungen des Gefäßsystems einen ständig wachsenden Stellenwert. Zur präoperativ notwendigen Gefäßdiagnostik stehen zur Darstellung der Gefäßveränderungen eine moderne Angiografie, Strömungsuntersuchungen (Doppler- und Duplex untersuchungen) sowie ein Computertomograf (CT) und Magnetresonanztomografie (MRA) zur Verfügung.

 

Im Rahmen der Gefäßchirurgie werden u.a. Eingriffe an der Halsschlagader(Ausschälplastiken) bei diagnostiziertem oder drohendem Schlaganfall durchgeführt. Weiterhin werden Aussackungen (Aneurysma), Einengungen(Stenosen) oder Verschlüsse der Hauptschlagader (Aorta), der Becken- sowie der Ober- und Unterschenkelarterien durch Gefäßprothesen ersetzt oder mit Hilfe moderner Bypassverfahren umgangen.

 

Neben den offenen operativen (konventionellen) Verfahren finden auch Gefäßerweiterungen (radiologisch interventionelle Techniken) durch Katheterbehandlung (Dilatationsverfahren) sowie die Einlage von Gefäßprothesen und Platzhaltern (Stents) in das Gefäßlumen Anwendung. Zur Blutwäsche werden in der Gefäßchirurgie notwendige Punktionsstrecken durch Dialyse-shunts geschaffen. Außerdem werden Kathetersysteme (venöse Portsysteme, Vorhofkatheter, peritoneovenöser Katheter) als Zugangsweg zum Blutkreislauf eingesetzt.

 

Neben den Operationen an den Arterien werden Eingriffe an den Venen (Krampfadern) mit neuester operativer Technik vorgenommen und offene Beine zur Abheilung gebracht. Auch Blutgerinnsel in den tiefen Bein- und Beckenvenen werden operativ entfernt (thrombektomiert).

 

Der Chefarzt und ein Oberarzt besitzen die Facharztbezeichnung „Gefäßchirurgie“ sowie die Zusatzbezeichnung „Phlebologie“ (Venenerkrankungen). Ein neues Konzept zur Behandlung von gefäßkranken Patienten, bei denen mehrere Gefäßabschnitte und Organsysteme (Herz, Niere) in Mitleidenschaft gezogen sind (panvakulär), wurde 2003 mit der Gründung des bundesweit ersten Deutschen Panvaskulären Kompetenzzentrums (DEPAK) in die Praxis umgesetzt.

Unter der gemeinsamen Leitung der Chefärzte des Herzzentrums Coswig und des Evangelischen Krankenhauses Paul Gerhardt Stift in Wittenberg setzt sich das Panvaskuläre Team beider Kliniken aus Kardiologen, Angiologen, Herz- und Gefäßchirurgen, Diabetologen und Nephrologen zusammen. Durch die Einbindung von Neurologen und Radiologen steht dem gefäßkranken Patienten das gesamte gebündelte Fachwissen für die Erarbeitung eines individuellen Therapieplanes zur Verfügung. Die Patientenzufriedenheit hat höchste Priorität. Ein hoch qualifiziertes und motiviertes Behandlungsteam, bestehend aus Ärzten, Krankenschwestern und -pflegern sowie Physiotherapeuten, steht allen Patienten rund um die Uhr zur Verfügung, um die Gesundheit der Patienten wiederherzustellen.